Unerfüllter Kinderwunsch

Wenn sich nach zwei Jahren regelmäßigem, ungeschütztem Verkehr keine Schwangerschaft einstellt, so spricht man von unerfülltem Kinderwunsch. In Österreich bleibt etwa jede 6.-7. Ehe kinderlos.

Ursachen

In etwa einem Drittel bei der Frau, in einem weiteren Drittel beim Mann, bei ca.20 % bei Mann und Frau, im Rest der Fälle kann keine Ursache gefunden werden.

Abklärung

Ausgangspunkt ist immer eine exakte gynäkologische Untersuchung mit ausführlicher Besprechung. Bei dieser Besprechung sollte der Partner anwesend sein. Den Beginn der Abklärung stellen zwei Blutuntersuchungen einerseits am Zyklusanfang, andererseits in der zweiten Zyklushälfte, dar. Hiermit wird die hormonelle Situation und die Korrektheit der Gelbkörperphase überprüft. In der Zyklusmitte sollte zudem ein Ultraschall zur Beurteilung der Eizellreifung erfolgen. Der nächste wesentliche Schritt ist die Beurteilung der Samenqualität. Eine orientierende Untersuchung (Anzahl, Form und Beweglichkeit der Samenzellen) wird meist schon von einem, mit der Frage des Kinderwunsches vertrautem Frauenarzt durchgeführt. Die weitere Abklärung des Mannes durch einen Urologen ist erst bei Feststellung eines auffälligen Befundes notwendig. Eventuell kann ein schlechter Samenbefund durch eine gezielte Behandlung gebessert werden. Die nächste Stufe der Abklärung ist die Prüfung der Eileiterdurchgängigkeit und Beurteilung der Gebärmutterhöhle. Hierfür steht einerseits eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zur Verfügung, andererseits die Möglichkeit der Gebärmutterspiegelung, der Bauchspiegelung und Eileiterdarstellung als operativer Eingriff, mit der Möglichkeit bei Veränderungen im Bauchraum (Endometriose, Verwachsungen, etc.) oder an den Eileitern im Rahmen des Eingriffes sofort Korrekturen vornehmen zu können.

Behandlungsarten

Bei unauffälligen Befunden bei Frau und Mann kann durch exakte Festlegung des Eisprungs durch Ultraschall und Harntests die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich erhöht werden. Manchmal ist lediglich die Korrektur erhöhter Hormonwerte erforderlich, z.B. bei einer Schilddrüsenfehlfunktion oder bei erhöhten Prolactinwerten (Hormon für die Milchbildung). Ist die Eizellreifung gestört, wird abhängig von der Ursache, mit einer relativ einfachen Stimulation mit Tabletteneinnahme begonnen. Eventuell ist eine Stimulation mit Injektionen erforderlich. Der Eisprung wird durch eine zusätzliche Injektion ausgelöst. Die Befruchtung erfolgt auf natürlichem Weg. Sind Menge und Beweglichkeit der Samenzellen eingeschränkt, wird die Eizellreifung mit einer Samenaufbereitung (Verbesserung der Samenqualität durch Labormaßnahmen) und Insemination kombiniert. Hierbei wird der Samen zum Zeitpunkt des Eisprungs mit einem dünnen Katheder in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Sind die Eileiter verschlossen oder der Samenbefund sehr schlecht, so ist eine künstliche Befruchtung notwendig. Hierbei werden die hormonell gereiften Eizellen durch eine ultraschallgezielte Punktion entnommen und außerhalb des Körpers befruchtet und dann in die Gebärmutterhöhle eingesetzt.

Aussichten

Das Entstehen einer Schwangerschaft ist ein sehr komplexer Vorgang. Selbst bei einem völlig gesunden Paar beträgt die Chance, innerhalb eines Zyklus schwanger zu werden, lediglich 20-30 Prozent. Maximal in dieser Größenordnung liegen auch die Schwangerschaftsraten pro Behandlungsversuch. Erfolgreicher als die Natur kann auch die moderne Medizin nicht sein. Ca. 60-80 Prozent aller kinderlosen Paare kann geholfen werden.